i mog Miaz

oder die besoffenen Flughunde Mauretaniens

Liebe Mürzzuschlagerinnen und Mürzzuschlager
und auch MürzzuschlagerInnen!


In Mürz, da tut sich was. Ein Jahr, sehr gut gerundet, ist nun
durchs Land gestolpert, seit der ORF hierzulande amschaugeplatzt
und für ein regionales Entrüstungsstaubwölkchen
gesorgt hat. Seither purzeln die Visionen aus den abrupt erwachten
Mürzer Vordenkerköpfen wie besoffene Flughunde
aus mauretanischen Mangobäumen während der Zeit der
Fruchtgärung (Flughunde im fröhlichen Torkelsturz sollen
laut mauretanischen Flughundforschern tatsächlich oft der
Fall (sic!) sein - nur wirklich gesehn hat sie noch niemand –
doch eben jene mauretanischen Flughundforscher, die sich
während der Fruchtgärungszeit selbst fast ausschließlich
von Mangos ernähren, nehmen dies so gut wie fast eh ganz
sicher als gegeben an... ich schweife ab.).
Jedenfalls und immerhin: in Mürzzuschlag wurde nach
derart gehässiger Verunglimpfung des hiesigen Wohlseins
durch den gemeinen Bösfunk vom Küniglberg sogar ein Zeichen
des – trotzdem eigentlich ziemlich passiven - Widerstands
geboren: das “Mürzherzerl”, findig mit “i mog” und
damit man auch gleich weiß, was man “mog”, mit “Mürz”
textbegleitet und garniert.
Genial! Die Rettung schien nah! Das Herzerl dient seither
der regionalen Selbstvermarktung als liebevoll trotziges
Symbol der Beharrlichkeit und sein Erfinder, dieser uneigennützige
Kreativgeist feuriger Heimatleidenschaft, wurde
zu Recht gefeiert und gepriesen.
Eh fein, aber so allein auch doch irgendwie ein bisserl Mango.
Auch das Röhrl, dass man jetzt mit ein wenig Verspätung
doch noch durch den Semmering miniert, wirds nicht wie
von selber richten, schon gar nicht die medizinische Universität,
die homöopathisch in der vierundzwanzigsten Potenz
verharrt und daher wohl eher doch nicht kommen wird (dafür kann aber keiner was, zumindest kein hiesiger, ganz
ernst gemeint).
Was denn, was dann? Sudern? Das wäre praktisch und
auch einfach, denn das “Sudern” als Rohstoff ist in schier
unendlichem, selbstreproduzierendem Ausmaß vorhanden,
ganze Metropolen ließen sich damit erbauen, wenn sie sich
damit erbauen lassen würden.
Man tut aber wohl besser daran, den Kopf etwas weiter aus
dem Nesterl zu strecken, suderfrei, und wieder mehr auf
die eigene Flugfähigkeit zu vertrauen (nicht auf jene mauretanischer
Flughunde in der Mangovollfetten) – sprich:
Mürzzuschlag und sein Drumherum, das hat schon viel.
Und viel mehr an Ressourcen, die noch brach liegen.
Was es braucht, sind Ideen, die daraus etwas Nutzbares
machen – und vor allem eine Politik, die den Mut hat, Ideen
auch eine Chance zu geben, selbst dann, wenn sie im ersten
Moment nicht dem Schema des eigenen Gedankenkasterls
entsprechen. Ansätze dazu gab es in der Vergangenheit
schon viele, vieles davon wird auch bereits erfolgreich
umgesetzt – andernorts halt leider meistens. Und wenn
doch hier, dann gehört es sich zumeist so, dass man es
nicht mag und wegignoriert, im günstigsten Fall. Bisher.
Aber natürlich gibt es immer noch den Plan B: man kann
ja noch immer ein nostalgisches Freilichtmuseum errichten,
von Ortstafel zu Ortstafel, inklusive Lebendinventar.
Das wäre wenig Aufwand, alles kann eigentlich so bleiben
wie es ist und das Röhrl, das da kommt, das wirds dann ja
womöglich doch von selber richten...
Aber vielleicht wirds ja noch was, mit dem Mut zu Neuem
und ein wenig tatächlicher Aufbruchstimmung!
In diesem Sinne: i mog Mürz!
(Ob das an der Mango liegt???)
herzlichst
Herta Freundlich

6. Mai 2017