Wahr ist vielmehr....

Meine lieben Mürzzuschlager und Schlagerinnen!
Wir alle werden getäuscht, betrogen, belogen und in Sicherheit gewogen - das ist nichts Neues, möge meinen man, auch wenn der Wahlkrampf sich schon ausgelitten hat. Schließlich gehört es menschlich zum Sozialverhalten, dass man andauernd sich ein kleines Gurkerl für eine ausgewachsene Banane erzählt, oder, praktisch angewandt, dem Schwiegermutterberg auch nicht wahrheitsgetreu, weil optisch naheliegend, direkt unterbreitet: „Ui, du siehst ja aus, als würdest täglich du die Milka-Kuh verschlucken“ sondern man stattdessen mit platzendem Magengeschwür den Schlankheitsfortschritt lobt.
Auch bei ehrlichen Antworten betreffend Küchenkreationen sollte man im Falle von gaumempfundner Mängel vorsichtig mit der Artikulation selbiger umgehen - hier kann
Lügen Leben retten, das eigene hauptsächlich. Küchenmesser, brodelnd-siedend Pfannenöl, Schnitzelhammer, kiloweise Gussgeschirr- die ganze Küche wird ganz rasch
zum Todesareal. „Mmmmhh gut“ ist hier immer angebracht, auch wenn
dabei der Magen schon die Augen aus den Höhlen drückt.
200 mal durchschnittlich täglich lügt der zvilisierte Mensch, oder sagt zumindest nicht die Wahrheit ganz. Und das ist zumeist auch gut so.
Die Lüge also ist eine Art gesellschaftliches Schmiermittel, ohne das sich die zwischenmenschliche Reibungshitze infernal entzünden würde, ein Stützgerüst, dessen Fehlen
unser gesamtes soziales System zusammenbrechen ließe,
wie einen Jogler im Vollmostrausch.
Ein Tag nur weltweit ohne Lüge, schon wär der arme Erdplanet uns los, was zwar wahrscheinlich für selbigen nicht schlecht, mir aber schon aus reiner Egozentrik nicht gefiel.
Also alles eh Ok und in Butter ausgeschwenkt, könnte man meinen.
Aber natürlich: auch im Guten und im Feinen muss man maßhalten, damit daraus nicht ganz geschwind ein Übel wird - und natürlich gibt es auch die Lüge in der Ausgabe Beelzebub, das Schwefelwort, die Gicht- und Gallesätze, die Verderben aus dem Stimmband in den Hörraum tragen.
Und solchen sind wir alle aufgesessen, wir Bewohner aus dem
Mürzzuschlag-Land, meine lieben Bewohner aus dem Mürzzuschlag- Land! Üble Falschreden, übelster Falschredensart!
Herr-der-Ringe-Sauron nichts dagegen!
Nämlich ist es so:
Die erste frech-feiste Lügenmär: Mürzzuschlag errichtet einen Karawanenpfad entlang des Verlaufs des wegen seiner Gefährlichkeit stillgelegten alten Dschungel- Expresses ins wilde Tal Neubergistan, um neue Erholungsgebiete zu erschließen, sowie den Tauschhandel mit
den dort als hiesig geltenden Ureinwohnern wieder anzukurbeln.
Die Wahrheit:
Nicht wir sollen nach Neuberg reisen, umgekehrt, den dort sesshaften kriegerischen Bergstämmen soll Tür und Angel geöffnet werden, um in unser schönes Mürzzuschlag einzufallen. Gestützt auf solch ein Heer des Grauens plant der Planer dieses Plans eine absolutistische Bürgermonarchie mit dem Namen Brahmsistanien verbunden mit strikter
Bekleidungsmarkenvorschrift auszurufen.
Zwotens:
Die Stadt Mürzzuschlag hat einen wunderbaren Stadtplatz für seine Völker und Völkinnen errichtet, um darauf regelmäßig Veranstaltungen wie Schlapfentanzabende, Kegelscheiben,
Kirschkernweitspucken oder einfach klassisches Zeltfestkomasaufen abzuhalten und auch all jenen, die an Parkhausphobie leiden diskriminationsfrei Vehikelabstellmöglichkeit zu bieten. Zudem wurde damit dem Baumvandalismus (weil es ja davor immer wieder zu gewalttätigen
Übergriffen von linksrechtsradikalen Hammerparkbaumgangs gekommen ist) entgegengewirkt.
Die Wahrheit:
Nein, das ist ganz einfach in die Binsen gegangen und hätt' eigentlich eh schön schön werden sollen...
Zum Dritten:
Mürzzuschlag ist eine freie Gemeinde, mit freien Bürgern, mit einem frei gewählten Gemeinderat und einem frei gewählten Bürgermeister.
Die Wahrheit:
Mürzzuschlag wurde schon im Jänner 1999 vom russischen Meerschweinfellexportsmilliardär Igor Schlachtovsky anlässlich eines Schiurlaubes am Semmering beim Schnapsen vom damaligen Mürzer Bürgermeister gewonnen - mit einem Schneider.
Seither wird an der Abtragung und dem Wiederaufbau samt sämtlicher Einwohner als Kuriositäten- und Freizeitpark in der sibirischen Heimat Schlachtovskys geplant. Die
Umsetzung steht kurz bevor. (Es stimmt nicht, dass Herr Franz sich schon freut, soll ich schreiben...)
So schauts aus, leider.
Und das alles behaupte ich jetzt nicht, weil ich zur Umsiedlungsakklimatisierungsvorbereitung
einen Doppelliter Wodka als Suppe verspeist habe, sondern weil es wahrlich wahr ist, ehrlich, wirklich, im Vertrauen, ich lüge nicht, würde niemals nicht ich tun...mit besten Wünschen, bis demnächst,
Ihr Herta Freundlich.

30. Juni 2010