7. Brief vom Oktober 2011

 

Vorab: Herta Freundlich, das ist nicht K nicht S und gar schon überhaupt nicht FPÖ, auch nicht Schwarz, Grün oder Orange. Herta Freundlich aber dankt den Herren Franz und Franz und den Ihrigen für die Bereitstellung einer Seite hier und zollt dem gelebten Umgang mit freier Meinungsveräußerung aufrichtigen Respekt.

Liebe Mürzzuschlager und Schlagerinnen!

 

WINDPARK AUF DER SCHEIBE

Schön, dass man in Mürzzuschlag weiß, woher der Wind weht und diesen auch sogar sich nutzbar machen will. Heiße Luft gibt es hier ja ohnedies wie Bierleichen am Oktoberfest, nur dass man sich damit weder die Zecherl wärmen, noch den Schnapstee auf Schlucktemperatur bringen kann.

Also Strom aus dem Naturgebläse.

Das ist naheliegend, denn der Mürzer, der native, weiß: ziehn tut's ja praktisch immer hier.

Auch der Reisende aus der Österreichshauptstadt oder aus Graz weiß: das ganze Mürztal - ein einziges Durchzugsgebiet! Wär' nicht der Semmering ein bisserl topographisch lästig, man würd' das gar nicht merken, dieses „durch“.

Da ist so ein Fingerzeig, ein sechsfacher, droben hoch am Großglockner von Mürzzuschlag natürlich auch ein ökologisches Statement, das sich visuell ins Augenmerk verewigt. Manche mag das stören, weil, natürlich, immer wenn etwas so neu ist, dass man es noch nicht kennt (praktisch also anfangs immer), reagiert man gerne mit einer vehementen hypochondrischen Abwehrallergie (Leitsymptome: massives Brechsudern und galliger Raunzausfluß). Das liegt so in der Natur des Menschlichen wie Nasebohren, ist aber weniger zweckmäßig und hat, auch hier im direkten Vergleich, weniger Sinnvolles zu Tage gefördert. Und ehrlich, ernsthaft, liebe Leute: wie sonst soll man die Bierdepots der Region auch zukünftig kühl und die Fernsehkastln am Laufen halten, ohne dabei ökologisches Magengrimmen zu verspüren?

Ich jedenfalls finde es schön, dass man wohl doch nicht bald Pazifik-Sardinen in die Lampenfassungen schrauben muss, und, um Schluss zu machen mit den  Kernspaltereien, wäre natürlich auch eine touristische Mehrnutzung der Scheibe nach Etablierung der neuen Marke „Mürzer Blasberg“ durchaus denkbar. In diesem Sinne:

Es ist zwar eine Scheibe, aber sie dreht sich doch.

NACHBARSCHAFT

Vielleicht löst sich dadurch auch bald das Problem des zunehmenden Energiebedarfs einer ewig frischen Gepflogenheit, die schon lange vor Erfindung von Abhöranlage, Feldstecher und Hausmeister Jung und Alt oftmals lebensfüllend unterhielt: die Nachbarschaftsspionage.

Denn die Zeiten, in denen an ihren Mitmenschen wahrhaft und in selbstbezwecktester Weise interessierte Hausmütterchen ihren Gesichtsfaltenrock direkt am Fenstersims drapierten, um jede noch so allerkleinste Haustorfluktuation zu dokumentieren und umgehend zumindest - mangels humanoider Alternativen - den Begonien zu erzählen, sind vorbei.

Der moderne Sozialstalker rüstet auf, wer heute noch unmittelbar ausrichtet ist ein Tratschfossil, heutzutage steigt man via SMS ins fremde Leben, stalked man über Facebook Menschen auf den Kaiserstein, greift man augenblicklich ins smartgefönte Kontaktmenü, wenn man wo wem - Stille Post - zwischen die Schulterblätter gretschen will.

Da lobe ich mir meine Nachbarin, ein Prachtstück von gelebter Intregantion, äußerlich wie Monroe Marilyn nach der Gefriertrocknung, innerlich ein dauerplatzbereites Unratfaß, aktenweise fremder Wäschedreck, verquert, verkehrt und durcheinand' - aber alles noch in echter Sprache freigegeben, unplugged von Mund zu Ohr. Das hat Tradition, spart Strom, und gehört aufs Land, wie der Duft von frischer Jauche, wie schon ein großer Kollege feststellte: „Am Land gehen die Leut' noch ins Wasser, weil da wird noch geredet!“.

FUßBALL

Abschließend möchte ich nun auch erstmals mein sportliches Fachwissen nicht länger vorenthalten und einen ebenso wertvollen wie bereits hinfälligen Beitrag zur Teamchefdiskussion leisten:

Mein Vorschlag für den Fußballnationaltrainer also wär': der Lumplecker Hias.

Der schaut sich im "Admiral" jedes Spiel der Nationalmannschaft an, ist Vertreter einer 4-3-2-2-Taktik - 4 Bier, 3 Spritzer, 2 Schnaps und 2 Jägermeister. Erfolge: 5. beim Schnapsturnier des Eisschützenvereins Oberkrampen sowie drei Vierer bei 6 aus 45. Also mindestens genau so geeignet wie alle anderen bisher.

In diesem Sinne!

 

Ihr

 

Herta Freundlich

 Der Text versteht sich als Satire und will auch so verstanden werden. Wer persönlich sich beleidigt fühlt, der inter- pretiert wohl falsch und ist entschuldigt.

9. Oktober 2011