8. Brief vom Oktober 2012

Und wieder ein Beweis: Vegetarisch essen ist nicht normal!

 

 

Vorab: Herta Freundlich, das ist nicht K nicht S und gar schon überhaupt nicht FPÖ, auch nicht Schwarz, Grün oder Orange. Herta Freundlich aber dankt den Herren Franz und Franz und den Ihrigen für die Bereitstellung einer Seite hier und zollt dem gelebten Umgang mit freier Meinungsveräußerung aufrichtigen Respekt.

Liebe Mürzzuschlager und Schlagerinnen!

Liebe Mürzzuschlager und Schlagerinnen! Jetzt ist es passiert! Und zwar mir! Mitten in den nebelgrausten Herbstlaubtagen hat mir der Frühling hinterfotzig ein Blümchen in den Lebensalltag hingeblüht, brachial wie ein Fichtenpollenwolkensturm. Und ich bin Allergiker, gewissermaßen. Hatschi!

Ich, der ich zwischenmenschgeschlechtlich sozialisiert bin wie Crusoe Robinson minus Freitag plus übler Laune und bislang das heitere Bezie- hungsleben eines Wetterfrosches im Marmeladeglas geführt habe, wurde sozusagen eingefangen und dabei noch nicht einmal gefragt! So etwas! Hatschi!

Und jetzt, so muss man wissen, ist das, jener fleischgewordene hübsch- fleischliche Lebensgewohnheitsüberfall, so etwas wie ein...Hippiemädchen. Hatschi! Hatschiiii!!!

Yogitee und Yoga, isst auch keine Tiere nicht, sofern die nicht Tofunachbau sind. Spirtuell ist die auch gewissermaßen irgendwie - ich kannte das bisher nur in Form einer zünftigen Jaga- tee-Erleuchtung.

In ihrem Yogi-Yoga-Namen heißt die „Lichtmondwesen“. Oder so. Da bläst es mir das Menthol aus dem Taschentuch.

Und: Alles muss ganz und gar natürlich sein. Deshalb lass ich selbst jetzt auch ganz und gar natürlich Gesichtsfilz wachsen, sehe aus, als wäre ich ein Streichelzoo, mein Antlitz gleicht schon einem Fortlitz mittlerweile. Eines letzten morgens, als ich restschlafzugedröhnt in den Badezimmerspiegel sah, hab' ich mich hernach Stunden zitternd unter meinem Bett versteckt. Die Katze, ein Schmuseding vormals, gibt nur noch fauchend Buckelzeichen, der Kater allerdings hingegen will sich dauernd paaren, bandelt ständig an. Hatschi!

Warum schreibe ich das nun (denn, ganz ehrlich, geht sie das jetzt gar nichts an...)?
Weil ich in diesen letzten Wochen gelernt habe oder gelernt wurde oder gelernt wurden haben musste - Hat- schi! - dass die Welt um mich herum mit allen Menschen darin und auch darauf an sich etwas furchtbar - nein, eben nicht „furchtbar“ sondern „ungemein“ - posi.... posi... posi... - dieses Wort halt eben - ist und grundsätzlich eben jedenfalls eh voll OK. Haaaaaaatschiiii!!!!!

Und deshalb werde ich nunmehr nicht mehr konstruktive Rundumbeschimpfung, Kollateralschäden inklusive, hier betreiben, sondern das posi.... - eben dieses Wort - aus den hiesigen Gegebenheiten filtern, frei und offen mit regenbogenfarbigem Pupillvorhang ins Mürzer Jammer...Freudental blicken... (Anm. d. Autors: Ich bitte um Nachsicht, wenn der Schreib- und damit auch Lesefluss hier etwas bricht, ich hatte gerade stundenlang heftiges Nasenbluten.)

Deshalb, ein paar – ungewöhnlich ehschonwissentive - Anmerkungen zu aktuellen Geschehnissen in dieser wundervollen Stadt:

1. Die neue Wohnstraße.

Dachte ich zuerst noch „Fein, hier wird die Landung der Allierten in der Normandie nachgespielt!“ und hatte ich später die Vermutung, ein GemeindeOberchefInnenUndAussenStadtplanungsArchitekt besitzt jetzt auch noch eine Pflastersteinmanufaktur und hat noch ein paar Posten Rest, so muss ich jetzt sagen, dieses steinerne Grau erweist sich bei genauere Betrachtung weniger als Metapher für ein erkal- tendes, versteinerndes Mürzzuschlag, denn vielmehr als perfektes Symbol für den Aufbruch - bei all der Erdbewegung, die hier von statten ging. Und bald schon werden Weidengräser und Frühlingsblumen ihren Lebensweg durch die Pflasterritzen finden und die ganze Wohnstraße wird zu einem lebendigen, saftigen Stück Natur verwachsen sein, Geschäfte, aus denen Hirsche röhren, Gämsen, die von Dach zu Dach steigen, springen, ein Paradies unberührter Welt, gestört nur vom gelegentlichen Klappern loser Straßenschilder im wiesenwürzigen Abendwind. Ein Idyll, mustergültig. Eine Stadt, in der auch Menschen wohnen könnten! (Anm. d. Autors.:Seltsam, auf einmal muss ich nicht mehr niesen...)

2. Die geplanten Gemeindezusammenlegungen

Etwas Besseres, als der neue imperiale Herrschersitz Kapfenberg/Bruck (Kapfenbruck? Karuck? Kack?) des zu- künftigen obersteirischen Großreiches Bruck/Mürzzuschlag (das heißt schon so) konnte unserer Stadt gar nicht passieren. Es gilt nur, die Chancen, die sich nunmehr bieten, zu nutzen!

Denn während sich durch Landflucht und unkontrollierte Zuwanderung in die Mur-Mürz-Furchen-Retortenmetropole dort bald Ghettos bilden werden - ganze McDonaldsschachtelsiedlungen in Apfelmoar, marodierende Banden von St.Lorenznern und Mareinern, die die Grenzen der Mega-City kontrollieren - kann man hierzulande nunmehr getrost auf sanften Tourismus setzen. Dazu siehe Punkt 1.

3.: Der aktuelle Output der Mürz­ zuschlager FPÖ und die FPÖ im allgemeinen.
Hatschi!

HatschiHatschiHatschi!!! Haaaaaaaattttttttschiiiii!!!!!!
Ok. alles geht dann doch nicht.
Und nun gehe ich und bereite mir ein Kännchen Yogi-Tee.
In diesem Sinne:
Peace, Love & Happiness!
oder: Love, Sex & Death Metal!

Ihr Herta Freundlich

 

 

Der Text versteht sich als Satire und will auch so verstanden werden. Wer persönlich sich beleidigt fühlt, der interpretiert wohl falsch und ist entschuldigt.

 
 

9. November 2012