Kleine Zeitung vom 03.04.2001

Vorbeugende Maßnahmen gegen Skins und Vandalen

Vernachlässigt

Auch wenn, der Anlass eingeritzte Nazisymbole auf Sowjetgräbern - noch nicht auf eine ausgeprägte rechtsextreme Szene hindeutet: Der Dringlichkeitsantrag des Mürzzuschlager KPÖ-Gemeinderats Franz Rosenblattl zum Einsatz von Streetworkern in Mürzzuschlag soll den Anfängen wehren. Zwar gibt es keine auffällige rechtsextreme Szene im Bezirk, doch Gewalt unter Jugendlichen, Vandalismus und Drogenkriminalität sind auch entlang der Mürz bekannte Phänomene.

Von dieser Warte aus betrachtet ist der Einsatz von Streetworkern die richtige Strategie. Streetworker können - im Gegensatz zu den meisten anderen sozialen Einrichtungen - bereits vorbeugend arbeiten. Doch eine Gefahr bleibt: Haben Streetworker erst einmal ihre Arbeit aufgenommen, kommt man nur allzu leicht in Versuchung, die Hände in den Schoß zu legen, frei nach dem Motto: Die werden's schon richten!

Ein fataler Irrtum: Die Probleme der Jugend kann nur die Gesellschaft beseitigen. Sie muss den, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive bieten. Das bedeutet nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Lebenssinn abseits materieller Güter. Und das ist in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden. Das beweisen alle Umfragen unter Jugendlichen.

Der Antrag des KPÖ-Mandatars auf Einsetzung von Streetworkern in Mürzzuschlag wurde von allen Gemeinderatsparteien angenommen.

VON ULF TOMASCHEK

"Das Skinhead-Problem macht auch um Mürzzuschlag keinen Bogen", ist Franz Rosenblattl überzeugt. Der Mürzzuschlager KPÖ-Gemeinderat hat daher in der jüngsten Gemeindratssitzung einen Antrag eingebracht: Man, möge doch an die Bezirkshauptmannschaft herantreten, im Rahmen der Jugendfürsorge eine Streetwork-Einrichtung zu schaffen.

Anlass für den Dringlichkeitsantrag war für Rosenblattl der Vandalismus an Sowjetgräbern auf dem Mürzzuschlager Friedhof - Nazisymbole wurden in die Grabsteine geritzt sowie das Auftreten von Skinheads in der Stadt. Für Rosenblattl ist zwar klar, dass gegen "politisch motivierte Straftaten" wie eben die Grabschändung energisch vorgegangen werden muss. "Das schafft aber das Problem selbst und seine Ursachen nicht aus der Welt", erklärt der KPÖ-Politiker seinen Antrag, der übrigens einstimmig angenommen wurde.

Zustimmung. Auch der Mürzzuschlager Bürgermeister Walter Kranner (SPÖ) ist sich des Problems bewusst, wenngleich er weniger politisch motivierte Straftaten sieht. "Aber Vandalismus, Gewalt unter Jugendlichen, und Drogenmissbrauch rechtfertigen die Zustimmung zu diesem Antrag", begründet Kranner. Zwar nehme sich das Jugendzentrum HOT sehr dieser Themen an, aber die Mitarbeiter können eben nur die Jugendlichen betreuen, die auch ins Jugendzentrum kommen. Auch hätten sie großteils keine entsprechende Ausbildung.

Nach Ostern wird ein erstes Ergebnis in Sachen Streetworker vorliegen. Findet doch in Kürze ein Treffen zwischen Vertretern der Stadtgemeinde und der Bezirkhauptmannschaft sowie betroffenen Organisationen wie Beratungszentrum und Sozialarbeiter statt. Seitens der Stadtgemeinde ist Jugend-Gemeinderätin Ingrid Prenner (SPÖ) bei diesen Gesprächen dabei. "Probleme mit Vandalismus, Drogen und Skinheads gibt es ja nicht nur in der Stadt Mürzzuschlag", weiß Prenner aus Gesprächen mit Vertretern anderer Gemeinden des Bezirks. Daher wird auch der Sozialhilfeverband in dieser Frage kontaktiert. "Denn eine Gemeinde allein kann sich keine Streetworker leisten", verweist Prenner auf die Kosten eines solchen Projekts.

Erfahrung. In einem Punkt sind sich Rosenblattl, Kranner und Prenner einig: Die guten Erfahrungen etwa in Bruck und Kapfenberg mit dem Einsatz von Streetworkern zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher würden eine solche Einrichtung auch im Bezirk Mürzzuschlag rechtfertigen.

8. April 2012