Kleine Zeitung vom 10.03.2005

Handel, Wohnstraße und Sorge ums Bezirksgericht

Die Mürzer Diskussion zur Gemeinderatswahl brachte erfrischende Dialoge und eine rege Beteiligung des Publikums am Diskussionsverlauf.

MICHAELA AUER

Diskussionsrunde der Kleinen Zeitung zur Gemeinderatswahl in Mürzzuschlag: Bürgermeister Walter Kranner (SPÖ), Franz Lendl (ÖVP), Franz Rosenblattl (Pro MZ), Erwin Holzer (Grüne) und Arnd Meißl (FPÖ) bildeten das Podium.

Ein Diskussionsthema war die äußerst angespannte Situation des Handels in der Stadt. Franz Lendl sah einen Lösungsweg im Appell an die Mürzer, daheim zu kaufen. Kranner und Lendl waren sich einig, dass die Probleme des Handels auch in der hohen Alterstruktur der Mürzzuschlager zu finden seien und im kleinen Einzugsgebiet der Stadt. Beide Politiker verteidigten die Umwandlung der Fuzo in eine Wohnstraße. „Obwohl ich persönlich ein großer Freund der Fußgängerzone war“, meinte Kranner. Für Franz Rosenblattl war die Wohnstraße „ein Strohhalm für den Handel, aber nicht realistisch“. Erwin Holzer, auch Gegner der Wohnstraße, sah die Schwierigkeiten des Handels im „Angstsparen der Leute“ angesichts der Sparmaßnahmen der Regierung. Arnd Meißl hielt die Wohnstraße für „einen guten Kompromiss“.

Sorgenkind Grazerstraße

Die Grazerstraße war ebenfalls Diskussionspunkt. Die ÖVP will eine Umfahrung für Mürzzuschlag durch den Lambach zur Entlastung der Grazerstraße. „Da interessiert mich, was die Leute im Lambach sagen, wenn sie zur Bahn jetzt auch noch die Straße kriegen“, lehnte Kranner dieses Vorhaben ab. Da käme eine Straße als Unterflurtrasse, zur Lärmvermeidung, hielt Lendl entgegen. Holzer zeigte sich „skeptisch“, denn „neue Straßen produzieren neuen Verkehr“. Rosenblattl lehnte die Umfahrung ab und kritisierte, „dass man erst jetzt die Grazerstraße entdeckt und was tut“. Meißl befürwortete die Umfahrung.

Publikumsfragen kamen vor allem zur Innenstadt. Und ein Rechtsanwalt fragte: „Was ist mit dem Gericht?“ Die Antwort von ÖVP und FPÖ: Das Gericht werde nicht geschlossen. Außerdem wolle man, so der allgemeine Tenor, für die Erhaltung kämpfen.

ZITIERT

Wenn wir das wüssten, könnten wir Mürzzuschlag den größten Dienst erweisen.Franz Lendl, VP-Vizebürgermeister, auf die Frage, wie man den Handel in der Innenstadt halten könne

Es ist nicht möglich, Betriebe, die nicht von selbst lebensfähig sind, mit Subventionen zu halten.Bürgermeister Walter Kranner (SPÖ) zur Situation der Innenstadt

Die Leute können nix kaufen.Franz Rosenblattl zur Kaufkraft der Pensionisten

Ich kann nicht immer irgendwelche Grauslichkeiten von Regierungen auf Gemeindeebene ausgleichen.Walter Kranner zur Forderung der Opposition, Gebühren zu kürzen

Ich hab da ein Problem mit der linken Seite des Podiums. Bei der Wienerstraße regt man sich über den Verkehr auf, bei der Grazerstraße nicht?Arnd Meißl (FPÖ) zur Umfahrung

Ich bin dann entweder Bürgermeister, oder ich sitze im Gemeinderat, oder ich bin überhaupt nicht mehr drin.Arnd Meißl auf die Frage aus dem Publikum, ob er nach der Wahl noch Bürgermeisterkandidat wäre, wie er sich im FPÖ-Blatt bezeichnete

Ich hoffe, da bleibst du standhaft.Franz Rosenblattl zu Bürgermeister Kranner und dessen Versprechen, die Umfahrung nicht zu befürworten

Wann nicht?Konter aus dem Publikum auf die Versicherung Arnd Meißls, er hätte es schriftlich vom Justizministerium, dass das Gericht in Mürzzuschlag nicht geschlossen werde.

Unheimlich warte ich schon darauf, dass einer, dem nichts zu blöd ist, diese Frage stellt.Walter Kranner zur Publikumsfrage betreffend die Dubai-Reise des bfi, zu der Kranner eingeladen war

Bibo ist nicht da, aber die Kleine Zeitung ist da.Moderator und Kleine Zeitung-Redakteur Ulf Tomaschek auf eine Feststellung aus dem Publikum, dass das Mürzer Stadtfernsehen Bibo die Diskussion nicht überträgt

8. April 2012