Kleine Zeitung vom 29. Juni 2011

„Wut bricht jetzt wieder aus“

„Wut bricht jetzt wieder aus“

Das „Forum pro LKH“ meldet sich nach der überraschenden Wende in Sachen Chirurgie LKH Mürzzuschlag zu Wort. Man hat diese Abteilung kaputt reduziert, so der Vorwurf.

 

MICHAELA AUER

Mein Telefon läuft heiß“, sagt Forum-Sprecherin Margret Kraischek. „Erst jetzt kapieren die Menschen, dass zugesperrt wird.“ Großer Unmut herrsche darüber, dass der Landtagsbeschluss zur Erhaltung der vollen Chirurgie nicht mehr gelte. „Erklär’ das einmal den Leuten, das versteht keiner.“

Im Restaurant Winkler in Mürzzuschlag sitzen Vertreter des Forums beisammen, Kraischek, von der KPÖ Franz Rosenblattl, FPÖ-Landtagsabgeordneter Hannes Amesbauer mit der Mürzzuschlager FP-Gemeinderätin Birgit Bauernhofer. Auch ÖVP-Vizebürgermeister Franz Gstättner hat sich zur Runde dazugesellt. „Die Grünen sind jetzt auch bei uns eingestiegen, das Forum ist jetzt noch breiter aufgestellt“, sagt Rosenblattl.

Kraischek übt scharfe Kritik: „Das Sparpotenzial durch die Schließung der Chirurgie liegt im Promillebereich, woanders schaut man solche Ausgaben gar nicht an.“ Kraischek kritisiert den Ausbau der Krankenhäuser Leoben und Bruck auf engem Raum, während man Mürzzuschlag weiter weg ausdünnt: „Da kleben zwei nebeneinander. Aber ist die ländliche Bevölkerung weniger wert?“

Vorbeigelotst?

Dass der Bedarf an chirurgischer Basisversorgung im Einzugsgebiet des Mürzzuschlager Krankenhauses nicht gegeben ist, glaubt Kraischek auf keinen Fall. Sie erhebt den Vorwurf, dass gezielt Patienten an der Chirurgie vorbeigelotst wurden und dadurch die Fallzahlen zurückgingen – die ja wiederum als Argument für die Schließung hergenommen werden.

Kraischek nennt ein Beispiel, von dem sie, wie sie sagt, noch weitere hat: Ein Patient (der Name ist bekannt) mit Schienbeinkopfzertrümmerung: Einlieferung etwa 8 Uhr in der Früh. Kurze Zwischenstation in Mürzzuschlag, dann gleich Weitertransport nach Bruck. Argument: Kein Unfallchirurg da, nicht das geeignete Material da, um operieren zu können.

Kraischek wandte sich an Kages-Vorstand Petra Kohlberger, die diesen Fall in den Krankenhäusern nachfragen ließ. Antwort: Der Patient kam um 8 Uhr abends mit einer Schulterzertrümmerung. Diese Antwort, so Kraischek, liege schriftlich vor. „Aber sie stimmt nicht. Denn der Patient weiß, was er hatte, nämlich keine Schulterzertrümmerung, dass er um 8 Uhr morgens eingeliefert wurde, und da ist sehr wohl ein Unfallchirurg da. Und der Patient wollte nicht nach Bruck.“ Außerdem, so Kraischek, habe Betriebsdirektor Josef Wedl in Graz bei einer Sitzung einmal bestätigt, es sei alles Material für die Operationen in Mürzzuschlag vorhanden“, sagt Kraischek.

Eine Patientin mit einer Venenoperation (würde auch Mürzzuschlag machen) überwies der Hausarzt direkt nach Leoben. Die Patienten hatte dann dort einige Tage Wartezeit auf die geplante Operation. „Und das kostet ja auch einiges“, kritisiert Kraischek. Ihr Fazit: .„Die Chirurgie in Mürzzuschlag würde super laufen, wenn man nur will.“ Was die Menschen in der Region betrifft, so breche die Wut darüber jetzt wieder aus.

Ortsnahe Chirurgie

Kraischek stützt sich auch auf die Aussagen des Dekans der Medizinischen Fakultät Bochum, Gert Muhr. Dieser betonte bei der Enquete zum Landtagsbeschluss zur Mürzer Chirurgie 2009 die Wichtigkeit regionaler chirurgischer Versorgung: Hochriskante Operationen seien im Zentrum durchzuführen, eine Vielzahl chirurgischer Eingriffe notfallmäßig oder kurzfristig jedoch ortsnah.

29. Juni 2011