Kronen Zeitung vom 13. 3. 2010

Mürzzuschlag fest in roter Hand ++ Aufreger Chirurgie

Wo Industrie und Eisenbahn zu Hause sind, fühlen sich die roten Genossen wie Fische im Wasser: Es ist ihr ureigenstes Biotop. Kein Wunder, dass der Bezirk Mürzzuschlag quasi eine SPÖ-Erbpacht ist. Trotz des Aufregers Chirurgie wird sich daran wohl wenig ändern.

Die Zeiten sind nicht leicht für Karl Rudischer (Bild). Seit drei Jahren ist der Sozialdemokrat Oberhaupt in der Bezirkshauptstadt Mürzzuschlag und stellt sich somit erstmals dem Wählervotum. Seine Ausgangslage? Formulieren wir es einmal so: Es könnte besser laufen.

Ein Blick zurück: Bei der hitzigen Debatte rund um die Chirurgie im örtlichen LKH vertrat Rudischer lange den Standpunkt, dass eine reine Notfallversorgung ausreichend sei. "Dazu stehe ich, es gab damals gute Argumente von namhaften Experten", so Rudischer im Gespräch mit der "Steirerkrone". Mittlerweile hat der Landtag aber beschlossen, dass die allgemeine Chirurgie wieder aufgebaut wird. Rudischer: "Das ist mir natürlich noch lieber." Man darf gespannt sein, ob die Bürger seine einstige Haltung an der Urne "bestrafen".

Schiefe Optik bei Bauaufträgen
Auch von einer zweiten Front weht Rudischer, im Brotberuf Architekt, rauer Wind entgegen. Die oppositionelle ÖVP wirft ihm vor, an Bauprojekten in der Stadt beteiligt gewesen zu sein. "Das ist ein Torpedo in Wahlzeiten", kontert Rudischer. "Seit ich Bürgermeister bin, hab ich keine öffentlichen Aufträge mehr übernommen." Trotz dieser Minuspunkte wäre der Verlust der absoluten Mehrheit eine Sensation: Die SPÖ hält derzeit nämlich bei 16 von 25 Mandaten. Die Konkurrenz wittert Chancen - sie ist diesmal besonders zahlreich vertreten: Neben ÖVP, FPÖ, den Grünen und der Liste KPÖ-Pro-MZ versucht es auch die Bürgerliste "Aufwind", die sich auf der Internetplattform Facebook gebildet hat.

Ehrgeizige Pläne für die kommende Periode
Rudischer kann vor dem entscheidenden Urnengang aber auch auf einige Erfolge verweisen: "Wir haben eine neue Akademie zur Ausbildung von Facharbeitern, auch der Industriepark hat geholfen, gut durch die Krise zu kommen." Für die nächste Periode hat das Stadtoberhaupt einiges vor: "Die Wienerstraße wird überarbeitet. Weiters wollen wir neue Betriebe ansiedeln, den Energieverbrauch senken, das Wohnangebot stärken."
Ruhiger Wahlkampf
Allgemein läuft der Wahlkampf recht ruhig ab im nordöstlichsten Bezirk der Steiermark - am schärfsten geht's wohl noch in Wartberg zur Sache. In fast allen Orten sitzen die Bürgermeister fest im Sattel, etwa in Krieglach. Dort hält Regina Schrittwieser mit ihrer Namensliste 14 von 25 Mandaten. Eine andere Bürgerliste, Pro-Krieglach, hat sich aufgelöst: Ihre drei Mandate sind nun am Markt.
Auch in Kindberg sollte sich an der Vormachtstellung der SP nichts ändern. Hier lacht, wie in vielen Gemeinden, ein neues Gesicht von den Wahlplakaten: Christian Sandner löste Karl Hofmeister nach 16 Jahren im Amt ab.

Zumindest einen Funken Spannung gibt es in Langenwang. Die schwarze Insel im Meer roter Gemeinden könnte - wenn es für die Herausforderer optimal läuft - geentert werden. Auch hier gab es einen Wechsel im Bürgermeisteramt: Maximilian Haberl schlägt seinen ersten Wahlkampf. Die ÖVP hat vier Mandate Vorsprung auf die SPÖ, diese spitzt aber auf den "Ortsthron".

Heiß umkämpfte kleine Kommunen
Es gibt noch zwei weitere kleine Kommunen, deren Bürgermeister etwas unruhig schlafen müssen: In Altenberg/Rax ist der Mandatsstand 5:4 für die ÖVP. Genau umgekehrt ist es in Kapellen: Hier ist der Vorsprung der Sozialdemokraten denkbar knapp.
Übrigens: Mürzzuschlag ist steiermarkweit der stärkste Bezirk der FPÖ. In zwölf von 16 Gemeinden treten die Blauen an. Der Erzrivale BZÖ ist nirgendwo vertreten.

von Barbara Winkler und Jakob Traby, "Steirerkrone"

19. März 2010