Kleine Zeitung vom 31. März 2012

Letzte Verbeugung vor einer Vertriebenen

Herta und Romek Reich im Lager in Bari 1943

 

Letzte Verbeugung vor einer Vertriebenen

Der Mürzzuschlager Gemeinderat beschloss die Umbenennung des Gymnasiums in "Herta- Reich-Gymnasium". Als Gedenken an eine Mürzzuschlagerin, die 1938 vertrieben wurde.

Abwechslung in den Gemeinderat brachte der Besuch von Schülern des Gymnasiums Mürzzuschlag sowie deren Lehrern und des Schulleiters Heimo Hirschmann. Sie alle waren gekommen, weil ihre Schule auf der Tagesordnung stand: Künftig wird sich das Gymnasium "Herta Reich-Gymnasium" nennen.

Herta Reich wurde 1917 als Herta Eisler in Mürzzuschlag geboren, ihre Familie betrieb ein Stoffgeschäft. 1938 musste sie flüchten. Ihre Flucht dauerte sechs Jahre, sie war mit einem illegalen jüdischen Flüchtlingskonvoi, dem "Kladovo-Transport", unterwegs und entging als einige der wenigen dieses Transports der Ermordung durch die Nationalsozialisten. Erst 1944 erreichte sie Palästina.

"Bürgermeister Karl Rudischer ist an mich mit dem Anliegen herangetreten, die Schule umzubenennen", erklärte Schulleiter Hirschmann. Im Dezember des Vorjahres hatte die KPÖ einen Dringlichkeitsantrag an den Gemeinderat gerichtet, Herta Reich durch eine Auszeichnung zu ehren und einen Platz nach ihr zu benennen. Die Grünen brachten einen derartigen Antrag schon im Jahr 2004 ein.

Jetzt ist es eine Schule, die Reichs Namen trägt. In der Abstimmung der Schulpartner waren 29 Stimmen dafür und sechs dagegen, bei drei Stimmenthaltungen. "Dieses Ergebnis hat mich überrascht", zeigte sich Hirschmann erfreut. Denn der Aufwand ist groß für die Schule. "Mit meinem Schulbudget packe ich das nicht", richtete Hirschmann die Bitte an den Gemeinderat, bei der Finanzierung behilflich zu sein.

Herta Reich kann das nicht mehr erleben, sie verstarb im Februar. Rudolf Schabbauer, Deutschlehrer am Mürzzuschlager Gymnasium, besuchte Reich einmal in Palästina. "Ihre Wohnung war voller Mürzzuschlag, Bilder von der Stadt, von der Umgebung", erzählte er den Gemeinderäten. Reich ist nie wieder in ihrer Heimatstadt gewesen. Schabbauer: "Sie hat mir erzählt, sie kann nicht mehr nach Mürzzuschlag zurückkommen, weil sie es psychisch nicht aushält."

Ansonsten beherrschten Zahlen die jüngste Mürzzuschlager Gemeinderatssitzung, denn der Rechnungsabschluss für 2011 und auch die Bilanz der Stadtwerke waren zu beschließen. Auch eine Sitzungsunterbrechung gab es: Arnd Meißl, Fraktionschef der FPÖ, bat darum, um den Prüfungsbericht zum Rechnungsabschluss einsehen zu können. Die Prüfer hatten nämlich angemerkt, dass Subventionen an zwei Vereine gegangen waren, die nicht den Gemeinderat passierten, sondern über die Verfügungsmittel des Bürgermeisters ausbezahlt worden seien.

2. April 2012