Kleine Zeitung vom 25.09.2025
Mürztaler Werk angezählt 450 Jobs wackeln bei Böhler Bleche: „Arbeits- und Energiekosten sind viel zu hoch!“
Steirische Opposition fordert von Schwarz-Blau Unterstützung, um Mürzzuschlager Werk abzusichern. Bei der Voest-Zentrale verweist man, dass die vielen Probleme der Politik ohnehin bestens bekannt seien.
Es war wohl gut gemeint: Nachdem bekannt wurde, dass das Voestalpine Böhler Bleche-Werk in Mürzzuschlag angezählt ist und 450 Arbeitsplätze wackeln, hat der steirische SPÖ-Chef Max Lercher einen Vorschlag gemacht. Schwarz-Blau in der Steiermark möge doch vom Reden ins Tun kommen. Statt an Strategien zu feilen, gehörten Sofortmaßnahmen gesetzt, um die Arbeitsplätze im Mürztal abzusichern.
Der konkrete Vorschlag: Die vom Unternehmen kommunizierten hohen Energiekosten sollten mittels besserem Tarif gestützt werden, um die Jobs zu erhalten. „Es brennt jetzt der Hut“, fordert Lercher rasche Maßnahmen.
„Mürztal nicht im Stich lassen“
Auch die KPÖ meldete sich zu Wort. Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler fordert von den Landesregierern: „Es reicht nicht, ständig nur über die Bedeutung der Industrie zu sprechen – jetzt muss gehandelt werden! Wer die Menschen im Mürztal nicht im Stich lassen will, muss alles daransetzen, Druck auf das Unternehmen auszuüben und die Arbeitsplätze zu sichern.“
Zu guter Letzt wurde auch bei der aktuellen Gemeinderatssitzung in Mürzzuschlag am Donnerstagabend eine Petition eingebracht, dass das Werk erhalten werden soll.
Aus internen Quellen ist auch zu erfahren, dass man im Voest-Konzern mit seinen 500 Standorten schwächere Werke für eine gewisse Zeit im Verbund mitnehme. Voraussetzung dafür sei, dass es einen positiven Ausblick gebe. Dieser fehlt in Mürzzuschlag offenbar, deshalb sei auch das externe Beratungsunternehmen an Bord geholt worden.
Für die Region wäre ein weiteres Zurückfahren oder überhaupt das Ende des Werks ein ganz heftiger Schlag: „Der Standort wurde schon mehrmals massiv beschnitten und verlor in den vergangenen 40 Jahren rund 2000 Arbeitsplätze“, erinnert etwa der regionale KPÖ-Gemeinderat Franz Rosenblattl an den jahrelangen Abbau.
Die politischen Bemühungen in Ehren – in Voest-Kreisen will man sich darauf nicht verlassen, wie ein Rundruf zeigt. „Wir haben unsere Lehren aus der Verstaatlichten-Zeit in den 1980ern gezogen“, sagt ein Insider. Man mutmaßt ohnehin, dass die Fürsorge nur so lange andauert, bis das mediale Scheinwerferlicht wieder erlösche. „Wir müssen in unseren Betrieben gut verdienen, damit wir ordentliche Löhne zahlen und auch in die Forschung gehen können“, erläutert ein Insider das Credo.
„Die Rahmenbedingungen für die Industrie haben sich in den vergangenen Jahren wesentlich verschlechtert, unsere Wettbewerbsfähigkeit hat abgenommen. Peter Felsbach , Konzern-Sprecher der Voest
Voest-Sprecher Peter Felsbach erklärt auf Nachfrage den größeren Zusammenhang, warum der Motor jetzt am Standort Mürzzuschlag stottert. „Die Rahmenbedingungen für die Industrie haben sich in den vergangenen Jahren wesentlich verschlechtert und unsere Wettbewerbsfähigkeit hat abgenommen. Die Arbeits- und Energiekosten sind hierzulande im weltweiten Vergleich viel zu hoch, darüber hinaus wird die Regulatorik aus der EU in Österreich zusätzlich noch verschärft.“
Politik sei bestens im Bilde
Als international tätiger Konzern sei man auch mit zunehmenden Handelshemmnissen konfrontiert. In seinem Nachsatz: „Dies alles ist den politischen Vertretern bekannt“, schwingt die Forderung mit, dass man auf höheren Ebenen als der Landespolitik schon längst vielfältiger tätig hätte werden müssen.
Veröffentlicht: 29. November 2025