Kleine Zeitung vom 13.10.2018

Wohnpolitik: Mürzzuschlag als zweites Graz

Foto: Heivei

Franz Rosenblattl (KPÖ), Wohnungsreferent der Stadtgemeinde Mürzzuschlag, zog Bilanz über seine Arbeit seit dem Jahr 2015.
Von Ulf Tomaschek

Wohnpolitik: Mürzzuschlag als zweites Graz
Franz Rosenblattl (KPÖ), Wohnungsreferent der Stadtgemeinde Mürzzuschlag, zog Bilanz über seine Arbeit seit dem Jahr 2015.
Von Ulf Tomaschek

Mit einer KPÖ-geprägten Wohnungspolitik kann man bei Kommunalwahlen durchaus punkten. Das hat Ernest Kaltenegger als kommunistischer Wohnbaustadtrat von 1998 bis 2005 in Graz eindrucksvoll bewiesen. 2003 holte die KPÖ bei den Gemeinderatswahlen zwölf Mandate und zwei Stadtsenatssitze.

In Kalteneggers Fußstapfen ist in Mürzzuschlag sein Parteikollege Franz Rosenblattl getreten. Nach dem Verlust der absoluten SPÖ-Mehrheit bei den Gemeinderatswahlen 2015 mussten sich die Sozialdemokreten auf Partnersuche begeben. Mit den drei Mandataren der KPÖ gibt es zwar keine Koalition, aber eine lose Zusammenarbeit. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das Angebot an die KPÖ, ein Wohnungsreferat mit Vorsitz im neu geschaffenen Ausschuss Wohnen und Verkehr zu errichten. Seither ist Rosenblattl Wohnungsreferent der Stadt, die immerhin 860 Gemeindewohnungen ihr Eigen nennt.
Eine Bilanz seiner bisherigen Arbeit präsentierte Rosenblattl gestern im Café-Restaurant Winkler in Mürzzuschlag. Als wichtigste Neuerungen seit 2015 verbucht der Wohnungsreferent die von ihm eingeführten monatlichen Wohnungssprechtage, den Facebook-Account zum Thema sowie den Runden Tisch mit den Wohnbaugenossenschaften der Eisenbahner und der Gemysag. So kamen heuer zu bisher neun Sprechtagen 107 Interessenten, und auf Facebook hat Rosenblattl 189.000 Personen erreicht. Als größten (wohnungs-)politischen Erfolg verbucht die KPÖ die Aussetzung der Mieterhöhungen nach dem Grazer KPÖ-Modell, die auf einen Dringlichkeitsantrag der Kommunisten noch im Jahr 2014 zurückgeht und bis heute Gültigkeit hat. Dazu kommt die Errichtung einer lange geforderten Krisenwohnung.

Auch die Installierung einer Schuldnerberatung als Reaktion auf die hohen Mietaußenstände geht auf Rosenblattl zurück. Diese Funktion übt der Sozialberater Phillip Reininger aus. Er ist aber nicht nur Mieterberater, sondern auch Mediator im Fall von Streitigkeiten zwischen Mietern und kümmert sich mitunter auch um "Spezialfälle" unter den Mietern.