Zeitzeugen: Gustl Schneidhofer erzählt (KPÖ)

Zeitzeugen: Gustl Schneidhofer erzählt (KPÖ)

Mit Windeseile verbreitete sich unter uns Arbeitslosen an diesem kalten 12. Februar die Nachricht, dass es einen Putsch gäbe. Die Arbeiter in Linz und Wien widersetzten sich, als es zu Waffensuchungen in Arbeiterheimen kam, und es soll schon zu Streiks und Schießereien gekommen sein. Angesichts dieser Nachrichten waren wir etwas verwirrt und aufgeregt, sie kamen ja auch wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wir entschlossen uns zum Betriebsrat der Schoeller-Bleckmann-Stahlwerke in Hönigsberg zu gehen und zu versuchen mit dem Betriebsratsobmann Schweighofer zu sprechen, was wir auch machten. Auf unsere Frage, was er als Arbeiterfunktionär zu tun gedenke, antwortete er: “Die Ternitzer arbeiten und haben den Betrieb nicht abgestellt und ich richte mich nach dem, was in Ternitz geschieht!" Diese Antwort eines wichtigen Arbeiterfunktionärs war für uns Jungen nicht nur deprimierend, es war freilich auch lehrreich. Wir fanden hier die Bestätigung unserer jahrelangen Diskussionen mit sozialdemokratisch eingestellten Arbeitervertretern, dass es in der Stunde der Not, bei der Verteidigung der Arbeiterinteressen, bzw. der demokratischen Errungenschaften schlecht aussehen werde. Tatsächlich war es so, dass ein Teil der österreichischen Arbeiterschaft heldenhaft kämpfte, während andere zum Teil aus mangelnden ideologischen Bewusstsein, zum Teil aus Angst, sich in ihren Löchern verkrochen oder sogar ihre Genossen verrieten.

An 2 der darauf folgenden Tage trafen wir uns am Abend im Stadtgebiet bzw. am Stadtrand mit bewaffneten Schutzbündler, es sah aus, als stünde noch eine Auseinandersetzung bevor. Aber bald war diese Illusion vorbei. Was hierauf folgte war eine Schande, nicht nur für das herrschende „christliche Bürgertum“ mit ihren faschistische