Kleine Zeitung vom 17.9.2015

Wegen Einkaufszentrum

Stadt und Stadtrand im Duell

Im Juni wurden in der Mürzer Innenstadt gut 500 Unterschriften gesammelt, um den dortigen Handel zu stärken. Als Antwort unterschrieben fast 3000 für das Mürz-Center am Stadtrand.Von Franz Pototschnig
 

Die Besprechung gestern Früh im Mürzzuschlager Rathaus dauerte keine zwei Minuten. Richard Mendlik, Betreiber des Fachmarktzentrums „Mürz-Center“ am westlichen Stadtrand, übergab an Bürgermeister Karl Rudischer knapp 3000 Unterschriften, die für die Erhaltung der Arbeitsplätze beim „Kik“ im Mürz-Center gesammelt worden waren. Rudischer war verärgert, weil ihm Mendlik vorher weder etwas von den Unterschriften gesagt hatte noch davon, dass er die Presse und die Listenführer von FPÖ und KPÖ eingeladen hatte.

Rudischer durfte bereits im Frühsommer Unterschriften entgegennehmen, und zwar von den Innenstadtkaufleuten. Damals waren es gut 500, die für die Stärkung der Innenstadt unterschrieben hatten.

Beschränkung der Fläche

Aber kurz zur Vorgeschichte: Im August 2014 eröffnete das Mürz-Center. Bewilligt waren 3000 Quadratmeter Verkaufs- und 2000 Quadratmeter Lagerfläche. Die Beschränkung auf 3000 Quadratmeter erließ die Stadt schon früher, um den Innenstadthandel zu schützen. Die „R. Mendlik-GmbH“ als Betreiber des Mürz-Centers ging zum Verfassungsgerichtshof, weil ihr die Begründung der Stadt nicht gut argumentiert schien. Aber der VfGH wies den Antrag ab.

Aber auf dem als „Lagerfläche“ genehmigten Areal hatten bereits die Bekleidungskette „Kik“ – von der Innenstadt ins Mürz-Center hinausgesiedelt – und der „Handy-Shop“ eröffnet. Kik schloss nach dem VfGH-Spruch Ende Juli das Geschäft. Der „Handy-Shop Mürzzuschlag“ hingegen bleibt und zahlt regelmäßig Verwaltungsstrafen, bisher in Summe 1500 Euro.

Rudischer betont, dass es nicht darum gehe, wer mehr Unterschriften bringt: „Wir haben gesetzliche Richtlinien, und an die halte ich mich.“ Wenn Mendlik beim Verfassungsgerichtshof abgeblitzt ist, werde er, so Rudischer, auch mit Unterschriftenlisten nicht zum Ziel kommen.

Schwierige Lage

Arnd Meißl (FPÖ) und Franz Rosenblattl (KPÖ) wollen einerseits die neun Arbeitsplätze bei Kik und Handy-Shop im Mürz-Center erhalten, andererseits aber auch den Handel in der Innenstadt stärken: „Was nützt es der Innenstadt, wenn die beiden Geschäfte schließen?“ Rosenblattl schlägt vor, die 650 Quadratmeter, die unerlaubt als Handelsfläche genutzt werden, nachträglich zu legalisieren. Mendlik möchte aber gerne für die gesamten 5000 Quadratmeter die Nutzung als Handelsfläche durchbringen.

Wie geht’s weiter? Nach dem Antrag von Mendlik auf Änderung des Bebauungsplans wird der Raumplaner der Stadt die Gegebenheiten nochmals überprüfen. Bis zur November-Gemeinderatssitzung soll das Gutachten vorliegen und behandelt werden.

Rudischer: „Die knifflige Frage ist: Wie erhält man den Stadtkern und ermöglicht gleichzeitig andere Dinge?“ Mendlik hofft, dass Bewegung in die Sache kommt: „Bei einem positiven Ergebnis bräuchte die Firma Kik nur zehn Tage, um wieder aufzusperren.“

1. Oktober 2015