Kleine Zeitung vom 19.03.2010

Ein Sieg des Gemeinwohls

In Mürzzuschlag wurde ein Solidarmarkt mit Carla-Laden eröffnet.

E s sei ein Beispiel für die Kraft der Gruppe, dass dieses Projekt verwirklicht wurde, meinte Bürgermeister Karl Rudischer bei der Eröffnung des Solidarmarktes der Caritas kürzlich in Mürzzuschlag. Menschen mit geringem Einkommen können dort billiger einkaufen. Viele Köpfe und Hände haben zusammengeholfen, um die Idee umzusetzen. Die katholische Pfarre, Gemeinderäte der Stadt über Parteigrenzen hinweg, die Bezirkshauptmannschaft, das Arbeitsmarktservice und schlussendlich die Caritas selbst.

Der Markt ist in der Wienerstraße zu finden, gegenüber dem Kunsthaus. Im Vorderteil des Geschäftes bekommt man im "Carla"-Laden Gebrauchtes vom Fonduegeschirr über Kleidung bis hin zum Kinderspielzeug (fast) alles, das sind Spenden von Privatpersonen. Im hinteren Bereich des Geschäftes kann man Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf einkaufen. Die Produkte kommen unter anderem von Mürzer Supermärkten. Vieles, das noch gut ist, in den Märkten aber weggeworfen würde, findet so Verwendung.

Lob für die Zusammenarbeit aller Beteiligten spendete der Projektverantwortliche der Caritas, Peter Wagner: "Sie haben es der Caritas leichter gemacht als üblich." Man habe das Gemeinwohl über das Eigeninteresse gestellt. Für Bezirkshauptfrau Gabriele Budiman ging mit dem Laden ein "von mir sehr lang gehegter Wunsch in Erfüllung".

Zwölf Caritas-Läden gibt es schon in der Steiermark, Mürzzuschlag ist nach Hartberg der zweite Ort, in dem das Lebensmittelangebot mit dem "Carla"-Angebot kombiniert wird. Der Markt ist aber auch ein Beschäftigungsprojekt, hier kommt die Förderung durch das AMS zum Tragen. Es arbeiten dort Frauen, die man über diese "Transitarbeitsplätze" wieder in den regulären Arbeitsmarkt integrieren möchte. Die Frauen werden während ihrer Tätigkeit im Laden auch sozialpädagogisch betreut.

Ein interessantes Statement - allerdings "off records" - hörte man im Publikum. Franz Rosenblattl von der Liste ProMZ meinte, eigentlich müsste man feiern, wenn man einen derartigen Laden schließen muss, weil eben alle die finanzielle Kraft haben, ihren täglichen Bedarf ohne Probleme finanzieren zu können.

19. März 2010