Die Kälte des Februar

Broschüren zum Februar 34 bei der KPÖ erhältlich

Die Mürzzuschlager "Wehrturner", die revolutionäre Jugendgruppe des Republikanischen Schutzbundes

Am 12. Februar 2016 ist der 82. Jahrestag des Dollfuss- Putsches. Die KPÖ Mürzzuschlag bietet zwei verschiedene Broschüren zu diesem Thema an.
 

Februar 1934- 80 Jahre Februarkämpfe in Österreich
Österreichs Arbeiter im bewaffneten Widerstand gegen den Faschismus

Diskussions- und Grundlagentexte zur Geschichte von Widerstand und Verfolgung in Österreich, Bd. 2 herausgegebenvom Bundesverband der AntifaschistInnen und Opfer des Faschismus (KZ- Verband /VdA)

 

Februar 34- Beiträge zur Geschichte der Mürzzuschlager Arbeiterbewegung

Dabei handelt es sich um eine Sondernummer der MHM. Diese Broschüre bringt Zeitzeugenberichte von der damaligen Lage in Mürzzuschlag und Hönigsberg.

 

Ein Auszug daraus ist der Bericht des seinerzeitigen "Wehrturners" Karl Lotter (1902-1997)

Sein Leben glich dem eines „Bilderbuchrevolutionärs“. Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges kam der gelernte Schlosser zur „Roten Artillerie“, einer revolutionären Bundesheereinheit, nach Payerbach. Als Mitte der 20er Jahre die Säuberungen beim Bundesheer stattfanden, machten diese auch nicht vor  Karl  halt. Zurück in Mürzzuschlag suchte er ständig Arbeit und sofort den Kontakt zu seiner Partei, damals noch die sozialdemokratiesche.

Mit seinen Genossen, der Wehrsportgruppe des Schutzbundes, versuchte „Löwe“ (sein Tarnname unter den Wehrturnern) die Partei für  einen energischeren Widerstand gegen den aufkeimenden Austrofaschismus zu mobilisieren. Nach der  Niederlage im Februar 34 verließ Karl Lotter und mit ihm der größte Teil seiner  Freunde enttäuscht die SP. Sie fanden den Weg zur illegalen KPÖ, wo sie sofort ihre politische Arbeit, natürlich jetzt unter den anderen Voraussetzungen, weiterführten.

Zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges meldete sich Karl als „gelernter“ Artillerieschlosser zu den sich gerade bildenden Interbrigaden. Gegen Ende des Bürgerkrieges wurde Karl, wie viele andere seiner Genossen, in Frankreich interniert und nach dem Sieg der Nazitruppen über Frankreich  den Deutschen ausgeliefert. Karl kam ins KZ Mauthausen- um  in der Widerstandsgruppe seine politische Tätigkeit fortzusetzen.

Nach der Niederlage des Faschismus kehrte Karl nach Mürzzuschlag zurück. Kurze Zeit auch als Sekretär der KPÖ- aber vorwiegend, und bis zu seiner Pensionierung,  als Arbeiter bei den Schoeller Bleckmann Stahlwerken.

Bis ins hohe Alter war Karl Lotter Mitglied der Bezirksleitung der KPÖ Mürzzuschlag.

Zeitzeugen: Karl Lotter erzählt (Schutzbund)

Das Verhältnis Partei- Wehrturner war durch Auseinandersetzungen mit der Mürzer Parteiführung schon vor dem Februar 34 getrübt- Bei den, von der sozialdemokratischen Partei regelmäßig veranstalteten Plenarvertrauensmännersitzungen waren auch die Partei- Nebenorganisationen vertreten, darunter auch die Wehrturner. Nicht nur, dass die Gemeindevertreter der sozialdemokratischen Partei, nichts für die Interessen der sportbegeisterten Jugend übrig hatte, auch die gesamte Politik unserer Partei wurde zunehmend kritisiert. Wie die Parteispitze auf solche Kritik reagierte verärgerte uns immer mehr. Funktionäre wie Fürstenberg und Phillip, die uns unterstützten wurden aus der Partei ausgeschlossen. Das war der Höhepunkt der Kampagne, die von der Parteispitze, geführt von der grauen Eminenz  Dr. Ferba, gegen die Linken geführt wurde. „Die Führung hatte unser Vertrauen verloren, was aber nicht heißt, dass wir keine Sozialdemokraten mehr waren. Am 12.Februar warteten wir, ca. 2o Mann ausgerüstet mit Mannlicher— Gewehren und einem MG oben beim Hauptmannhügel. Wir mussten die Hauptstraße überwachen. Anstatt zu warten wäre es viel besser gewesen in die Offensive zu gehen. Bahn, Post zu besetzen, die Strasse über den Semmering zu blockieren, Waffen zu besorgen.
Die Gendarmerie samt Heimwehr, wäre nicht in der Lage gewesen, ernsthaften Widerstand zu leisten. Das wusste auch die Exekutive. Sie vermied alles was den Schutzbund aufrütteln konnte, Sie waren sich bewusst, dass eine Kleinigkeit ausreichte, um das Feuer zu entfachen. Am Abend wurden wir nach Hause geschickt. Am nächsten Tag versammelten wir uns beim „Gamperl“ in der Stuhleckstrasse, doch war es jetzt schon zu spät um in den Kampf zu gehen. Bundesheer und Heimwehr setzten schon ihre Truppen nach Bruck in Bewegung. Unmittelbar nach den Ereignissen wurde kein Turner verhaftet, das wichtigste war aber jetzt die, Waffen zu verstecken. Das MG haben wir in Schöneben, beim Schutzbündler. Wolf versteckt. Wolf, der später zum illegalen Nazi wurde, brachte seinem neuen Verein ein wirkungsvolles Einstandsgeschenk, ein MG, mit. Kurz vor dem Juli-Putsch nahm einer der führenden Nazis, Matthias Koglbauer, mit uns Kontakt auf. Er schlug vor, dass wir uns zu einer Aussprache mit dem Leiter, der Nazis, dem Hauptschullehrer Czerny, beim Eckbauer treffen sollten. Diese Unterredung fand auch statt. Es wurde uns der Vorschlag gemacht, bei den Nazis einzusteigen. Wir wären grundsätzlich bereit, doch nur unter der Bedingung, dass wir Turner zusammenbleiben. Darauf gingen die Nazi nicht ein, somit hat sich die Sache zerschlagen. Wie konnte es soweit kommen, dass wir fast mit den Nazis gegangen wären? Einmal aus Enttäuschung über die Politik unserer Partei, und zum zweiten wollten wir den „Schwarzen“ eins auswischen. Die Nazi nützten die Stimmung in der Arbeiterschaft aus, mit der Argumentation, nur mit der Hilfe Hitlers könnte man die Schwarzen loswerden, gelang es ihnen in breite Schichten der Arbeiterklasse einzudringen. Unsere politische Arbeit mussten wir nun illegal fortsetzen .Beim Betriebsrat organisierte ich eine Schreibmaschine. Der gewählte Betriebsrat existierte ja nicht mehr, so konnte man sagen, dass ich nur den Arbeitern ihr Eigentum zurückbrachte, und nicht wie das Gericht feststellte, gestohlen habe. Einen Abziehapparat bauten wir uns selbst. Ein Holzrahmen, überspannt mit einem Damenstrumpf, das ergab unsere erste illegale Vervielfältigungsmaschine. Nun konnten wir unsere eigenen Flugblätter herstellen.
Wir hatten .inzwischen Kontakt mit Genossen von der Kommunistischen Partei aufgenommen, nahmen an Sitzungen und Schulungen teil. Diese hielten die Kommunisten meistens auf einer Alm ab Dabei machten auch immer mehr Turner mit. Auch hatten sich die. KP-Genossen eine „illegale Parteibibliothek“ geschaffen und so hatten wir zum ersten Mal die .Gelegenheit, uns mit Marxistischer Literatur usw. zu beschäftigen.
Zwar hatte die Sozialdemokratische Partei im Brauhaus, die so genannte ‚‘Arbeiterbibliothek“ untergebracht. Diese bestand aber aus Büchern, die auch unter einem noch härteren Regime wohl kaum jemals die Ehre besitzen würden, illegal zu werden. Diese Zusammenarbeit mit den Kommunisten, war für uns sehr lehrreich, wir lernten verstehen warum es 1934 nicht klappte.

Der Aktionspreis beider Broschüren beträgt 5 € und können abgeholt oder per Post zugestellt werden.

14. Februar 2016